Ethische Reflexion

Die ethische Reflexion ist gewissermaßen das Herz des Ethik-Unterrichts und des ethischen Denkens überhaupt (RPL 2.1, S.9f.). Durch diese Praxis des Philosophierens wird die moralische und ethische Alltagserfahrung („Du sollst nicht lügen! - Warum lügst du?“) zum Gegenstand des Nachdenkens gemacht. Was dies konkret bedeutet, kann folgendes Beispiel verdeutlichen:
Bei der Bearbeitung des Themas „Glück“ tragen die Schülerinnen und Schüler ihre Vorstellungen darüber zusammen. Dabei wird wahrscheinlich geäußert werden, dass Glück für sie bedeutet, „etwas Schönes zu erleben“, „aus Gefahren gerettet zu werden“ und „einen Sechser im Lotto zu haben“.
In einem ersten Schritt stellen Schülerinnen und Schüler fest, dass sie von sehr verschiedenen Dingen sprechen und das Wort Glück unterschiedlich verwendet haben: zunächst als Begriff für den psychologischen Zustand des „Glücklich-Seins“(Schönes erleben), dann im Sinne von Glück haben“ (gerettet werden) und zuletzt als Name für einen Glücks-Gegenstand bzw. für eine Bedingung des Glücks (Geld).
Ist dies erklärt, kann weiter gefragt werden, ob eigentlich von allen Schülerinnen und Schülern Glück gleich erlebt wird.
Es wird sich bei der Beantwortung dieser Fragen herausstellen, dass dieses nicht der Fall ist und dass sich damit erste Relativierungen ergeben.
Durch diesen Reflexionsprozess erkennen die Schülerinnen und Schüler, wie subjektiv, situativ und zeitabhängig Überzeugungen sind, die sie zunächst für unmittelbar einleuchtend bzw. selbstverständlich hielten. Darüber hinaus stellen sie fest, dass es einen unklaren Zusammenhang zwischen Glücks-Gütern und Glücks-Zuständen gibt.
All diese Feststellungen erfordern einen allgemeineren Begriff, um möglichst alle Erfahrungen erfassen zu können. Damit wären erste Schritte auf dem Weg zu einem reflektierten Begriff getan und weitere können sich daran anschließen: in Form von Gedankenexperimenten (Was wäre, wenn…), Kulturvergleichen und Ähnlichem mehr.
Die ethische Reflexion führt also zu einer Arbeit am Begriff, die unser Bewusstsein von unmittelbaren Erfahrungen zur anspruchsvolleren Begrifflichkeit hinaufführt und damit der Einsicht in die Sache ein Stück näher kommt.
„Nur ein reflektiertes Leben ist ein wirklich eigenes“ (RPL, S. 9)

Rahmenplan

grafik ehtik

Für alle Schulfächer wird in den neune Rahmenlehrplänen ein Bezug zur Lebens- und Erfahrungswelt gefordert. Aber nur im Ethikunterricht sind die Lebens- und Erfahrungswelt der Gegenstand des Unterrichts.
Was den Unterricht aber erst zum Ethikunterricht macht, sind die Perspektiven, unter denen diese Themen erarbeitet werden sollen. Ziel ist die Reflexion, d.h. das Nachdenken über Bedeutungen und Zusammenhänge. Dazu gibt der Rahmenlehrplan folgende Hinweise:

Um die Reflexion zu fördern, werden durch die Themenfelder Oberbegriffe vorgegeben, unter denen – wenn- möglich – die einzelnen Themen bearbeitet werden sollen.
Die Breite der Themen des Ethikunterrichts ist gewährleistet, in dem in jedem Schuljahr zwei Themenfelder angesprochen werden.
Damit die verschiedenen Betrachtungsmöglichkeiten eines Themas beachtet werden, gibt der Rahmenlehrplan drei Perspektiven vor.

die individuelle(Was bedeutet das für mich und mein Leben?),
die gesellschaftliche (Was bedeutet das für das gesellschaftliche Zusammenleben?),
die ideengeschichtliche (In welchem kulturellen, geistesgeschichtlichen, religiösen Zusammenhang steht das?).

Damit wird auch besonders deutlich, wodurch der Ethikunterricht sich von Fächern wie Psychologie, Sozialkunde, Lebenskunde und Religionsunterricht unterscheidet.
Die Ausrichtung auf methodische Kompetenz und der Erwerb von Hintergrundwissen, sowie das Gebot der weltanschaulichen Neutralität, verbinden Ethik mit allen Schulfächern.

Ethik-Unterricht

Was wird im Fach Ethik beurteilt?

Das Fach Ethik ist ein ordentliches Schulfach der Berliner Schule, das von der 7. bis zur 10. Jahrgangsstufe zweistündig in der Woche unterrichtet wird. Es wird daher selbstverständlich benotet und die Noten sind für die Versetzung relevant.

Selbstverständlich ist hierbei, dass nicht die Gesinnung, Weltanschauung, das religöse Bekenntnis usw. Gegenstand der Notengebung sind, sondern die Fähigkeiten, unter ethischen Aspekten über Phänomene und Probleme nachzudenken.